Schweizerische Goldwäschervereinigung

Ein Interview mit Peter Bölsterli

Von Victor Jans
Goldwäscherzytig Nr. 4/1997
Schweizerische Goldwäschervereinigung
Association Suisse des Chercheurs d'or
Assoziatione Svizzera dei Cercatori d'Oro
Swiss Goldprospectors' Association

http://www.goldwaschen.ch

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Peter Bölsterli's 123,1-g Nugget. Er gab ihm den
Namen "Ara-Fontanivas" - weil es aussieht wie ein Papagei und weil ihm die Natur und Lagerfeuerromantik auf dem Camping Fontanivas in Disentis so gut gefällt."Gefunden! Grösster Goldklumpen der Schweiz!" - so titelte der Blick am 14. August 1997 und auch das Fernsehen berichtete darüber (10 vor 10). Peter Bölsterli aus Winterthur hatte am Vorderrhein bei Disentis ein 123,1 g schweres Goldnugget gefunden - neuer Schweizer Rekord. Ich rief ihn mitte September an und stellte ihm einige Fragen:

Sie kommen gerade von einer Woche Goldsucherferien aus Disentis zurück. Ist wieder ein neuer Schweizer Rekord zu melden?

Peter Bölsterli: Nein, nein. Aber einige "Grämmer" habe ich schon gefunden.

Wann begannen Sie mit Goldwaschen?

Peter Bölsterli: Es war 1995/96. Ich machte einen Kurs bei Gusti Brändle. Ich fand einige kleine Flitter. Danach hat es mich gepackt.

Wie lange arbeiten Sie an einem normalen Goldwaschtag?

Peter Bölsterli: Früher arbeitete ich von morgens um sieben bis abends um sieben oder acht. Heute bin ich nicht mehr so vergiftet wie früher. Man kann schlussendlich nichts erzwingen und Goldwaschen braucht immer noch Glück und viel "Gespür".

Das 123,1-Gramm Nugget stammt aus dem Vorderrhein?

Peter Bölsterli:  Ja, und nicht aus dem Medelser Rhein, wo die meisten Goldsucher hingehen. Man hat immer gesagt, der Vorderrhein zwischen Disentis und Sedrun sei nicht so gut. Da ist schon was dran. Aber es hat eben auch einige irrsinnige Stellen. Diese sind aber meistens klein, maximal 20 m. Dann hat es wieder gar nichts. Der Vorderrhein ist auch schwieriger zugänglich als der Medelser Rhein, wo man vom Campingplatz aus bequem hochwandern kann.

Was zeichnet den Fundort speziell aus?

Peter Bölsterli: Das Nugget fand ich hoch oben am Ufer, etwa 1 m über dem Wasserspiegel. Das kommt daher, dass ich eigentlich nicht gerne im Wasser arbeite. Ich trage das Material lieber im Kessel zum Bach. Ich vermute, dass am Fundort ein altes Bachbett durchging und dort vor vielen Jahren die tiefste Stelle des Baches war. Ich fand schon am Morgen dieses Tages ein 2 g-Stück und weitere grosse Stücke  in einem Felsschlitz. Das 123,1 g-Nugget lag dann gar nicht in einem Schlitz, sondern nur knapp auf dem Fels. Ich konnte nach dem Fund noch 10 cm tiefer graben und fand nochmals ein 1,6 g-Stück. Insgesamt fand ich an diesem Tag 127 Gramm - absolut fantastisch.

Wie weiss man, dass das Nugget auch "echt" ist, d.h. wirklich aus Disentis stammt?

Peter Bölsterli: Genau das dachte ich auch, als ich das Nugget fand. Auch der Blick bekam anscheinend einige solche Anfragen nach der Publikation. Aber ich muss niemandem etwas beweisen.

Welches ist Ihre durchschnittliche Tagesausbeute in Disentis?

Peter Bölsterli: Oft finde ich kein halbes Gramm. So geschehen die ersten Tage der letzten Woche. Erst ab Mittwoch, als ich mit einem Holländer zusammen schaufelte, fanden wir in den letzten drei Tagen total etwa 8 g. Darunter waren zwei 1 g-Stücke. Etwa 4 g von den 8 lagen quasi an einem Ort in einer "Tasche".

Welche Ausrüstung benutzen Sie?

Peter Bölsterli: Ganz normal - Schaufel und Schleuse. Früher grub ich immer in Kiesbänken. Jetzt merke ich, dass solche Felsspalten viel besser sind. Das hat man mir zwar schon vorher gesagt. Aber irgendwie muss man es selber erfahren. Man hat schliesslich nie ausgelernt.

Jetzt sind sie berühmt. Ist dies unangenehm?

Peter Bölsterli: Ja, lästig war es in den zwei Tagen nach dem Blick-Artikel schon etwas. Meistens bin ich ja alleine unterwegs und das mit dem Blick machte ich nur, weil die Kollegen manchmal über das Goldwaschen etwas lächeln. Danach kamen aber zwei Fernsehteams (Schweiz und Deutschland) und viele Zeitungen an den Bach. So möchte ich es dann schon nicht immer haben.

Dieser Artikel erschien in der Goldwäscherzytig Nr. 4/1997
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Last Updated 23-Mai-2001 by

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