WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH
Donnerstag, 11. Oktober 2007

   
  Goldwäscher aus ganz Europa gaben sich im Schächli ein Stelldichein
BOWIL: Gold glänzt – wenn man es findet

11.10.2007 Seit 1989 werden alle zwei Jahre die Schweizermeisterschaften im Goldwaschen durchgeführt. Nach 2005 fand diese letztes Wochenende zum zweiten Mal in Bowil statt. Profis und Hobbygoldwäscher aus ganz
Europa trafen sich.


Regula Bodenmann

 Während dreier Tage herrschte im Schächli Bowil ein Hauch von Wildem Westen. Das Blockhaus wurde in einen Goldrush-Saloon umfunktioniert und lockte viele Besucher von Nah und Fern an. Von Büchsenwerfen, Wild-sauschiessen, Schmiedevorführung bis hin zum eigentlichen Hauptthema des Anlasses, dem Goldwaschen, wurde jedem etwas geboten. Für alle Inte-ressierten standen neben den Wettkampfplätzen mehrere Waschbecken zur Verfügung. Hier konnte unter Mithilfe eingefleischter Goldwäscher erste eigene Versuche unternommen werden. Die Atmosphäre war friedlich und gemütlich und mit 156 startenden Teilnehmern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Holland, Polen und der Slowakei ein farbenfroher, internationaler Mix.
Möglichst schnell alles finden
Auf dem Wettkampfplatz stehen in einem Halbkreis 20 einheitliche, grosse Becken, gefüllt mit Wasser. Etwas weiter hinten befindet sich für jeden Teilnehmer ein Kessel, der mit fünf bis zehn Liter Kies-/Sandgemisch gefüllt und mit vier bis zwölf Goldflitter gespickt wurde. Für jeden Goldwäscher gibt es pro Runde die gleiche Anzahl Flitter. Wieviele schliesslich enthalten sind, wird von der Jury jedoch geheim gehalten und ist den Teilnehmern bis nach Beendigung der Wettkampfrunde nicht bekannt. Wer als Schnellster alle Goldflitter herausgewaschen hat, wird schliesslich Sieger.
Los geht’s
Die Teilnehmer betreten nacheinander die Arena, nehmen einen Kessel und begeben sich zum Waschbecken mit der entsprechenden Startnummer. Hier wird noch etwas der Beckenrand gewässert, dann die Glasphiole (Behälter für die gefundenen Flitter) bereitgestellt. Schüssel und Kessel sind auf den Beckenrand zu stellen und dürfen noch nicht berührt werden. Da, die grüne Fahne geht hoch, gleichzeitig ertönt aus dem Lautsprecher das Startzeichen. Hastig werden die ersten Inhalte der Kessel auf die Schüssel geschüttet. Etwas Wasser dazu, dann geht’s los. In gleichmässigen Kreisbewegungen wird die Pfanne geschwenkt. Nach und nach trennen sich so die Goldflitter vom Sandgemisch. Für den Laien ist es nur schwer vorstellbar, dass in einem Haufen Sand auch nur ein einziger der zirka ein Millimeter grosser Goldflitter gefunden werden kann. Der Goldwäscher gleich da drüben scheint jedoch bereits etwas gefunden zu haben. Sorgfältig tupft er einen Goldflitter mit dem Finger an und gibt ihn in die Glasphiole. Da, gleich noch ein weiteres Goldkörnchen! Dann wieder die Waschbewegung. Nun füllt er das restliche Sandgemisch in die Schüssel. Zwischendurch hält er immer wieder inne, tupft auf etwas Kleines schier Unerkennbares und gibt es in das Glasröhrchen. Die Uhr ist bei etwas über zwei Minuten angelangt. Nach nochmaligem kurzen Schwenken scheint er es geschafft zu haben. Er gibt zwei weitere Flitter in das Röhrchen, verschliesst es und hebt die Pfanne zum Zeichen. Geschafft! Freudig geht er zur Jury. Ob er wohl alle Flitter gefunden hat? Er wird es erst erfahren, wenn er das Wettkampfareal verlässt.
Die neuen Schweizermeister
Von den neun aus der Schweiz startenden Damen schafften es nur gerade drei Frauen in die Finalrunde. Brigitte Megert brachte es im internationalen Ranking auf Platz 6, Marianne Barba auf Platz 7. Beide fanden elf statt der enthaltenen zwölf Flitter. Noch mehr Pech hatte die Lauperswilerin Marlise Lüdi. Bei der zweitschnellsten Zeit fehlten ihr gar drei Flitter, was einen Zeitzuschlag von 15 Minuten und Platz 15 in der internationalen Rangierung bedeutete. Für die Schweizermeisterschaft hiess das: dritter Platz für Marlise Lüdi. Silber gewann Marianne Barba. Den Schweizermeistertitel durfte Brigitte Megert nach Hause tragen.
Bei den Herren schafften es sechs helvetische Goldwäscher in den Final. Werner Marti und Andreas Däppen wuschen in einer Zeit von rund zweieinhalb Minuten zwar nur elf statt der ebenfalls enthaltenen zwölf Flitter heraus. Trotz des jeweiligen Strafzeitzuschlages von fünf Minuten pro verlorenem Flitter verwiesen sie Rolf Messerli, welcher alle fand aber dafür gut acht Minuten benötigte, auf den dritten Platz. Somit ging der Schweizermeistertitel bei den Herren nach 2005 wiederum an Werner Marti. Silber wusch Andreas Däppen heraus.

Auszug aus der Rangliste:
Herren Pro (internationales Ranking): 1. Arturo Ramelle (I), 2. Valerio Pizzoglio (I), 3. Luca Boggio (I). Damen Pro (internationales Ranking): 1. Ester Van Diggelen (NL), 2. Cécile Thibaud (F), 3. Rosa Angela Milanesi (I). Herren Klondike (internationales Ranking): 1. Arturo Ramella (I), 2. Pavol Diladi (SK), 3. Peter Pfander (CH). Damen Klondike (internationales Ranking): 1. Mireille Hink (NL), 2. Ilse Baron (A), 3. Michaela Rezna (SK). Jugend (internationales Ranking): 1. Daniel Seinsche (D), 2. Mathias Muster (CH), 3. Jasmin Rensch (CH). Veteranen (internationales Ranking): 1. Karl Postl (A), 2. John Meekel (CH), 3. Gerard Virgilio (F). Herren Pro (Schweizermeisterschaft): 1. Werner Marti, 2. Andreas Däppen, 3. Rolf Messerli. Damen Pro (Schweizermeisterschaft): 1. Brigitte Megert, 2. Marianne Barba, 2. Marlise Lüdi.

Goldvorkommen in der Schweiz
Gold kann in der Schweiz – wenn auch nur in sehr kleinen Mengen – vielerorts gefunden werden. Mittels vieler Probeentnahmen aus Flüssen und Kiesgruben entdeckte ein Schaffhausener Geologe in Felduntersuchungen zwischen 1965 und 1985 die flächenmässig grosse Ausdehnung der Ostschweizer Goldvorkommen. Eiszeitliche Gletscher (Rheingletscher) brachten goldhaltiges Material aus den Alpen. Die Abtragung der Gletschermoränen durch neuzeitliche Flüsse und Bäche führte schlussendlich zu den heutigen Flussgoldvorkommen. Über die Westschweiz erstreckt sich – ähnlich wie in der Ostschweiz – ein einziges, flächenmässig zusammenhängendes, Goldvorkommen. Auch hier stammt das Gold aus Gletscherablagerungen der Eiszeiten. Dieses mal ist der Rhonegletscher dafür verantwortlich, der Gold aus den primären Goldvorkommen (Berggold) des Kantons Wallis nach Genf und Fribourg transportierte. Berggold kommt – neben den bekannten Goldminen von Salanfe und Gondo – in kleineren Vererzungen bei Verbier, Nendaz, Iserables, Naters, im Val d’Anniviers und im Binntal vor.
Napfgebiet
Die Goldvorkommen am Napf sind wahrscheinlich die ältesten bekannten Goldvorkommen der Schweiz. Die Helvetier – das keltische Volk, das vor Christus auf dem Gebiet der heutigen Schweiz lebte – und die Römer suchten vermutlich schon nach Napfgold. Heute sind die Täler und Bächlein des Napfgebietes bei Goldwäschern sehr beliebt. Die unberührte, natürliche Landschaft und die Möglichkeit, sehr schnell ein oder zwei Goldflitter im Flusskies zu finden, machen den Napf zu einer perfekten Goldregion.

Quelle: Schweizerische Goldwäschervereinigung – www.goldwaschen.ch