In Bowil herrschte am Wochenende Goldgräberstimmung: An der Schweizer Meisterschaft im Goldwaschen waren Teilnehmer aus 11 Nationen dabei. Manche nahmen eine über 1000 Kilometer lange Anreise auf sich.
Beim Blockhaus Schächli sieht es aus wie einst im
Wilden Westen. Cowboys und bärtige Naturburschen
beherrschen die Szene, man hört babylonisches
Sprachengewirr. Auffallend sind die grossen, flachen
Schüsseln mit den ringförmigen Abstufungen. Diese
Goldwaschpfannen lässt keiner der Goldwäscher aus
der Hand. In Form, Farbe und Material verschieden,
glaubt jeder, sein Werkzeug sei das beste.
Um zehn Uhr öffnet sich das Gatter. Die ersten 20
Pioniere in hohen Stiefeln fassen einen Eimer Sand
und stürzen sich damit in die nummerierten
Wasserbehälter. In hektischer Eile schütten sie etwa
einen Viertel des Inhalts in die Pfanne, und setzen
sie unter Wasser in rotierende Bewegung. So wird der
Sand über den Rand hinausgeschleudert. Was am Boden
glänzt, ist pures Gold.
Viel Sand, wenig Gold
«Gold ist neunzehn Mal schwerer als Wasser»,
doziert Goldwäscher «Eggi», darum sinke es
garantiert auf den Grund. Zuletzt müsse man es nur
noch mit spitzen Fingern aufklauben und ins
Glasröhrchen stecken, den Zapfen drauf tun und
«fertig» rufen. Wie bei den meisten Wettkämpfen
zähle auch hier die Zeit, nicht gefundene
Goldflitter gäben 5 Minuten Zuschlag. Anderthalb
Minuten nach dem «Go» des Speakers ist der Erste
schon fertig, der Letzte nimmt sich immerhin 9
Minuten Zeit. Das erste Drittel kommt weiter bis zur
Endausscheidung. Es gibt verschiedene Kategorien wie
Damen und Herren, Oldies und Kinder, Einzel und
Teams und so weiter.
Er habe hier sieben Kubikmeter sandigen Kies,
gibt «Grun-di» Friedrich Grundbacher, der Präsident
des Schweizerischen Goldwäschervereins, Auskunft.
Dabei schaufelt er emsig Eimer um Eimer voll. Diese
würden danach von der Jury mit insgesamt 40 Gramm
Gold «geimpft», das heisst, dass in jedem Kessel
gleich viele winzige Goldflitterchen steckten.
Natürlich könnten diese Horden von Goldsuchern nicht
den vorbeifliessenden Gropbach durchwühlen, sonst
würde daraus ein riesiger Sumpf. So aber herrschten
für alle genau gleiche Bedingungen.
Eine lange Anreise
Mit von der Partie sind übrigens Teilnehmer aus
elf Nationen, die ausser Konkurrenz rangiert werden.
Da sind unsere Nachbarn: Franzosen, Deutsche,
Österreicher und Italiener – aber auch Polen wie
Jaroslaw Dudkiewicz, der in der Nacht zuvor 1200
Kilometer hergereist war. Übernachtet wurde nicht
etwa im Hotel, sondern in Wohnwagen, Zelten oder
einfach im Schlafsack unter einem Baum; Goldgräber
sind ja Naturburschen. Frauen treten nur vereinzelt
auf. Man findet sie vorwiegend als Zuschauer oder in
Küche und Bar.
So auch Marlise Lüdi, die im Goldrushsaloon die
Gläser füllt, während draussen auf dem Grill schon
riesige Spareribs und Goldpannersteaks brutzeln.
«Goldwaschen macht Hunger und Durst», lacht sie. Sie
war es, die den Saloon stilecht ausstaffierte, als
Westernfan besitze sie die nötige Ausrüstung. Abends
werde sie als Cowgirl mit den Dirty Boots Line
Dancers für Unterhaltung sorgen. Doch damit nicht
genug: Marlise Lüdi wird nächstens die Schürze in
die Ecke werfen und sich ebenfalls ins Wasser
stürzen. Als Goldwäscherin wurde sie bereits Europa-
und Weltmeisterin, aber bisher noch nie Schweizer
Meisterin.Gertrud Lehmann